Heute Morgen ist das Moor ganz still. Und ich bin es. Wir beide - das Moor & ich - können diesen Song sehr gut vertragen. Heute Morgen.
Patrick Watson Fireweed
Ich & mein neuer Freund
Ich hatte Geburtstag. Und ich bin erwachsene irgendwas kurz vor 30 geworden. Das ist okay. Es gibt genug Wege das innere Kind auch mit irgendwas kurz vor 30 zu zelebrieren. Heute zum Beispiel: Da habe ich einen riesigen Karton bekommen. Und als ich ihn aufmachte, kam mein neuer Freund herausgehüpft. Groß und rund und laut und mit dem starken Hang gen Himmel zu streben. Ein Überflieger, sozusagen. Ich mag das!
Gegen Feierabend sind mein neuer Freund & ich Richtung nach Hause gestapft. Durch die Riesenpfützen, vorbei an den gestriegelten Krawatten-Menschen, die normalerweise nicht links und nicht rechts gucken. Heute haben Sie geguckt. Erst auf meinen neuen Freund, dann auf mich. Dann haben Sie gelacht. Oder geschmunzelt. Oder Happy Birthday gerufen. Dann hab ich jedes Mal zurück geschmunzelt oder gelacht. Den ganzen langen Weg nach Hause.
Beinahe hätte mein neuer Freund die U-Bahn verpasst. Aber dann half ein Krawatten-Mensch und mein neuer Freund konnte noch eben durchhuschen, zu mir. Auch dieser Krawatten-Mensch hat sich sehr gefreut mich zu sehen. Und ich mich erst.
Aus Versehen hat mein neuer Freund just in diesem Moment lauthals angefangen zu singen, manchmal ist er da ein wenig unkontrollierbar. Mir war das ein wenig peinlich. Und ich bin rot angelaufen. Aber der Krawatten-Mensch fand das witzig. ‘Alles Gute’ hat er geschmunzelt. Da bin ich noch röter angelaufen. Ein lustiges Rot sicherlich. So lustig wie der Anblick von mir und meinem neuen Freund auf unserem Weg nach Hause. Vielleicht werde ich ihn fortan öfter mal mitnehmen, damit er mir und den Krawatten-Menschen kindische Nachhausewegs-Freude bringt. Eine gute Idee. Eine wirklich sehr, sehr gute Idee!

Alltagstheorien #1: Der pragmatische Penis
Siehst du, Partnerwahl ist also hochkomplex. Es gibt tausend Gründe warum sie nicht will. Oder er. Es gibt tausend Dinge, die stimmen müssen, damit er sich für sie entscheidet. Oder sie sich für ihn. Der Zeitpunkt muss zum Beispiel stimmen. Und natürlich die Grundvoraussetzungen. So lapidarer Kram wie Gefühle, Attraktivität, Lebenssituation, et cetera. Das ist bei Frauen und Männern gleichermaßen entscheidend.
Schwachsinn, sagt sie unvermittelt. Bei Frauen trifft das vielleicht zu, die müssen alles immer analysieren und glauben, es liegt hinter allem ein tieferer Sinn. Bei Männern ist das anders. Ich hab da so eine Theorie, sagt sie. Die Theorie vom “pragmatischen Penis”.
Du hast eine Theorie vom pragmatischen Penis…?! frage ich.
Ja sicher! Der pragmatische Penis - also eigentlich jeder Typ von Penis - kann sich, selbst wenn er sich in dich verknallt hat - …
Warte mal! Meinst du jetzt der Penis hat sich in mich verknallt? Oder der Typ, der an dem Penis dranhängt?!
Das ist im Grunde genommen egal. Wenn sein Piephahn eine Seele hat, kann der sich sicherlich auch in dich verknallen! Also sicherlich auch in dich als Menschen, nicht nur in dich als Körper. Aber zurück zum Hauptthema: Selbst wenn er sich also in dich verknallt hat - wir gehen jetzt mal vom Menschen aus, nicht vom Penis - dann kann er sich problemlos und eben ganz pragmatisch umorientieren. Und zwar dann, wenn du dich nicht langfristig in seiner Nähe aufhältst.
Wer kann sich umorientieren - der Mensch? Der Penis? Ich bin verwirrt…
Der Penis natürlich! Der pragmatische Penis! Aber der Penis hat Macht und Einfluss auf seinen Träger. Deswegen ist die Entscheidung des pragmatischen Penis Gesetz für seinen Träger.
Mach Sachen… Ist das so?
Ja!
Dann sagt der Penis also ‘Träger, wir finden die Kleine zwar super, aber mal im Ernst, sie kommt für uns grad nicht in Frage, weil’…
Weil ja die anderen weiblichen Geschlechtsorgane näher dran sind, genau! Und weil die anderen seine Bedürfnisse unmittelbar befriedigen könnten. Rein theoretisch. Also macht der Penis ganz pragmatisch seine Penis-Nutzen-Rechnung. Und wenn du eine Muschi near by bist, haste Glück. Wenn nicht, entscheidet er sich gegen dich.
Die Penis-Nutzen-Rechnung - du meine Güte. Das klingt so erschreckend plausibel.
Eben!
Dann liegt es also rein hypothetisch nicht an mir als Frau oder an mir als Mensch (…)?
Null! Es liegt am pragmatischen Penis!
Ach so, na dann macht das alles Sinn. Irgendwie.
Siehste! Wir sollten einfach alle aufhören immer zu denken, dass uns irgendwas fehlt. Uns fehlt nichts! Wir sind einfach nur außerhalb seiner kalkulierten akzeptablen Reichweite.
Agnes Obel Brother Sparrow

